Am 27. August 2026 war der Pixelpädagoge Lukas Ferro zu Gast im Netzwerk Elternzusammenarbeit in der Kita. Bei dieser Fortbildung, die von der Landesvereinigung für Gesundheit und Akademie für Sozialmedizin Niedersachsen Bremen e. V. (LVG & AFS) ausgerichtet wurde, ging es um Medienerziehung im Kleinkindalter und diesbezüglicher Elternzusammenarbeit.
Gleich zu Beginn machte Herr Ferro deutlich, dass Medien und das Internet aus unserer Gesellschaft nicht mehr wegzudenken sind. Da Eltern die Verantwortung für den Umgang der Kinder und Jugendlichen mit Medien tragen, ist es sehr wichtig, mit Ihnen ins Gespräch zu kommen.
„Wir tragen die Konsequenzen dessen, was wir damals hätten voraussehen müssen.“
Schon Klein(st)-Kinder nutzen Medien und das hat vielfältige Ursachen. Manche Eltern geben ihren Kindern die Geräte, damit sie ruhig sind oder werden. Es gibt inzwischen sogar Kinderwagen mit Handyhalter und Schwenkfunktion. Medien werden auch als Babysitter eingesetzt, um Eltern im Alltag zu entlasten.
Herr Ferro wies darauf hin, dass Eltern häufig nicht wissen, wie sie mit der Mediennutzung ihrer Kinder umgehen sollen und gleichzeitig das Gefühl haben, dass andere Eltern mit diesem Thema viel besser umgehen können.
Kinder ihrerseits finden Geräte und das, was auf ihnen abgespielt wird, toll und spannend. Es gelingt ihnen spielend leicht, Geräte wie Smartphones und Tablets zu nutzen. Und sie ahmen das nach, was ihnen ihre Eltern und die Erwachsenenwelt zeigen. Schon Säuglinge registrieren, wenn ihre Eltern ständig aufs Handy schauen.
Vielen Eltern ist nicht bewusst, dass sie selbst ständig Medien nutzen und zwar in allen Lebenslagen, in der Bahn, im Park, beim Essen, im Bett. Der Lebensmittelpunkt einer Familie ist dort, wo der größte Bildschirm steht, meist das Wohnzimmer. Die Handys liegen davor auf dem Tisch und machen durch Push-Nachrichten auf sich aufmerksam.
„Es braucht keinen negativen Blick auf Mediennutzung, sondern eine kritische Auseinandersetzung.“
Aber neben Herausforderungen birgt Mediennutzung auch Chancen, Medienbildung bedeutet Teilhabe.
Herr Ferro zeigte an Beispielen, wie die Nutzung von TikTok, YouTube, Snapchat, Gaming Plattformen und Co. nicht nur Kommunikationsanlässe schaffen, sondern auch Interaktionen und Beziehungen unter den Kindern herstellt. Dadurch können Zugehörigkeit, positive Gefühle und Motivation entstehen. Digitale Bilderbücher können zur Sprachförderung genutzt werden und sind für manche Familien deutlich erschwinglicher.
Die negativen Aspekte der Mediennutzung – fehlende Selbstregulationsfähigkeit, Reizüberflutung, Antriebslosigkeit und Rückzug durch dauerhaften passiven Medienkonsum, Verkümmerung der Sprachentwicklung und insgesamt die Reduktion realer Erfahrungen, die für die Entwicklung der Kinder von elementarer Bedeutung sind – dürfen jedoch nicht außer acht gelassen werden.
In diesem Zusammenhang ging der Pixelpädagoge auf Gefahren, wie Cybergrooming und Cybermobbing ein, denen Kinder im Netz ausgesetzt sein können und die nicht alle Eltern kennen.
Auf Spieleplattformen, wie beispielsweise Roblox, gibt es erwachsene Täter, die sich als Gleichaltrige ausgeben und Kinder (zu sexuellen Handlungen) erpressen, gegen virtuelle (Geld-)Geschenke (Gems, Fähigkeiten, Skins). Auch auf YouTube Kids kann es unangemessene Inhalte geben, auch wenn versucht wird, diese zu löschen. Kinder können Parasoziale Beziehungen zu Influencern, Podcastern, Bloggern, Youtubern oder durch KI zu virtuellen Figuren entwickeln. Scheinbar harmlose Kinderfilmchen entpuppen sich als Fake und unvermittelt treten Horrorfiguren wie Siren Hat oder Huggy Wuggy in Erscheinung.
Was tun?
Lukas Ferro richtet einen klaren Appell an Eltern. Sie sind Mediennutzungsvorbilder und haben die Aufgabe Alters-adäquate, dem Kind entsprechende Mediennutzung zu begleiten. Dabei ist die eigene Haltung der Schlüssel zur Medienpädagogik. Wie ist man selbst mit Medien groß geworden und hat diese erlebt.
Und er gibt klare Tipps:
„Ich führe keine Regel ein, an die ich mich selbst nicht halte.“
„Entscheidend ist nicht ob, sondern wie Medien eingesetzt werden.“
In der Elternzusammenarbeit sollen Pädagog:innen in Alltags-nahen Gesprächen Eltern in Bezug auf Medienerziehung stärken und unterstützen. Eltern müssen als Experten ihrer Kinder ernst genommen werden. Und beim Thema Mediennutzung läuft es bei allen Familien nicht immer optimal. Die Frage ist, was schon gut klappt und welches Thema aus Sicht der Eltern konkret angegangen werden sollte.
„Kinder brauchen starke Eltern als Brücke in die digitale Welt.“
Abschließend machte Herr Ferro noch auf alltagstaugliche Tipps und nützliche Webseiten aufmerksam:
• Alltagsnahe Regeln statt pauschaler Regeln (z. B. Wochenmediennutzungszeiten).
• Kinder bei der Verarbeitung von Medieninhalten begleiten, denn Inhalte sind genauso wichtig.
• Nach der Mediennutzung Bewegung draußen und andere analoge Aktivitäten initiieren.
• Analoge Alternativen zur Mediennutzung gemeinsam überlegen.
Mediennutzungsvertrag
Medien kindersicher
FLIMMO – Elternratgeber für TV, Streaming & YouTube
Internet-ABC für Kinder, Pädagoginnen und Eltern
fragFINN – die Suchmaschine für Kinder
klicksafe.de: Die EU-Initiative für mehr Sicherheit im Netz mit vielen Materialien für Pädagog:innen