Deutschkurs für bulgarischsprachige Menschen: Sprache als Schlüssel zu Selbstständigkeit und Zukunftsperspektiven.

Insgesamt 36 Menschen nehmen an dem Deutschkursangebot teil. Jeden Samstag treffen sich die Lernenden im Torhaus Nord. In zwei Gruppen, für Anfänger:innen und Fortgeschrittene, arbeiten sie an ihrem Deutsch.

Die Teilnehmenden schätzen, dass sie bei Bedarf auf Bulgarisch nachfragen können. Gerade bei komplexen Themen und grammatischen Fragen erleichtert die Mehrsprachigkeit der Kursleitung das Lernen. Warum sie Deutsch lernen möchten, beantworten die Teilnehmenden ohne Zögern. Fast empört antwortet ein Mann: „Wir leben doch hier und wollen am Leben teilhaben.“ Jemand anderes fügt hinzu:

„Auch für die Kinder. Ich möchte mit der Lehrerin in der Schule sprechen können.“

„Und wenn ich zum Arzt gehe.“

„Ich möchte alleine zurechtkommen und nicht immer von einem Übersetzer abhängig sein.“

Deutsch lernen in der Gruppe

Eine Teilnehmerin erzählt, wie schwer es ihr fällt, wenn in der Kita ihres Sohnes etwas Ungerechtes passiert und sie nichts dazu sagen kann. Dann sei sie wütend auf sich selbst. In der Gruppe findet sie Unterstützung. „Hier bekommen wir auch gute Tipps, wie wir mehr Mut und Selbstvertrauen im Alltag bekommen.“

Eine andere Teilnehmerin besucht den Kurs seit seinem Beginn 2022, nur wenige Wochen nach ihrer Ankunft in Deutschland. Trotz wenig Zeit zum Lernen im Alltag nimmt sie so oft sie kann teil. Dass der Kurs am Wochenende stattfindet, erleichtert die Teilnahme. Nächstes Jahr möchte sie die B1-Prüfung ablegen. „Auch zu Hause versuche ich, ein bisschen zu lernen, aber es ist nicht einfach. In der Gruppe ist es besser“, sagt sie.

Wie wichtig die Gemeinschaft ist, zeigt auch die Erinnerung an die gemeinsame A1-Prüfung. Für einige war dieser Schritt allein kaum vorstellbar. Ein großer Schritt sei es gewesen, aber sie waren als Gruppe da und haben fast alle Plätze im Prüfungsraum besetzt. Erst gemeinsam fühlten sie sich stark genug.

Neue Bildungs- und Berufsperspektiven entwickeln

Im Kurs entstehen so Freundschaften, Netzwerke und gemeinsame Zukunftspläne. Zwei Teilnehmerinnen möchten bald gemeinsam eine Qualifizierung beginnen. Zwei andere planen eine Ausbildung zur Floristin. In Bulgarien arbeitete eine der Teilnehmenden als Köchin. In Deutschland hat sie bisher ausschließlich Arbeit in der Reinigung gefunden. Den Wunsch, in ihrem gelernten Beruf zu arbeiten, hatte sie mit den Jahren aus den Augen verloren. Sie sagt: „Als ich nach Deutschland kam, habe ich meinen Traum vergessen. Durch den Kurs kann ich wieder träumen.“

Im Gespräch interessiert sie sich für die Möglichkeiten der Bildungsberatung im Quartierbildungszentrum. Auch andere Teilnehmende sind vom Beratungsangebot begeistert.

Sprache eröffnet neue Möglichkeiten. Zugleich helfen Angebote wie die Bildungsberatung dabei, konkrete Wege zu entwickeln. Mit zunehmenden Sprachkenntnissen wachsen die Möglichkeiten, eigene berufliche Ziele zu verfolgen und konkrete Schritte dorthin zu planen.